Tempeleinweihung in Zentralthailand

Wir waren zu einer Tempeleinweihung nach Zentralthailand eingeladen worden. Gute Freunde von uns hatten sich dazu entschlossen, dem Konto ihres zukünftigen Karmas durch die Spende und Finanzierung eines der 9, während einer feierlichen Zeremonie im Boden vor dem Tempel zu versenkenden, Luk Nimit Steine einige Pluspunkte zu verschaffen.

Diese Steine haben die Größe von Basketbällen, werden vor der Versenkung im Boden an den 4 Seiten und 4 Eckpunkten des Hauptgebäudes eines Tempels - dem Bot - reichlich von den Gläubigen mit Blattgold und Geld beschmückt und anschließend, während der Zeremonie, die in diesem Fall durch einen sehr hohen und angesehenen Mönch in Thailand geleitet wurde, von den Spendern und Finanziers in den Boden gelassen. Der 9. Luk Nimit wird im Boden des Bots an der Hauptstelle, wo auch der große Buddha anschließend stehen wird, versenkt. Dieser 9. Stein ist der begehrteste und wichtigste Stein, nimmt er doch einen Platz innerhalb des Bots ein. Die Spender und Finanziers, die die Ehre haben den Stein in den Boden zu lassen, erwerben besonders viele Pluspunkte für ihr Karma-Konto.

Wir trafen also am frühen Vormittag auf dem Gelände des Tempels ein. Das Gelände war schon gut gefüllt mit Gläubigen, die sich erst einmal an den dort angebotenen gespendeten Mahlzeiten stärkten.

Es gab wirklich reichlich zu essen, wie man das in Thailand eben gewohnt ist. Die Unterstützer der Veranstaltung haben sich viel Mühe gamacht, verschiedene schmackhafte Gerichte für die zu erwartende Masse herzurichten.

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Die verschiedenen Gerichte wurden da größtenteils vor Ort zubereitet: kein Wiederaufwärmen oder Pakete aufreißen, sondern frische, thailändische Hausmannskost gab es an vielen Verteilstellen.

Ich bin ein großer Fan thailändischer Küche und war begeistert von dem, was da im Wok und Töpfen zubereitet wurde. Verschiedene Laabs (gehacktes Fleisch oder Fisch, scharf und würzig angemacht), Suppen, Reiseintopf, gebackenes Fleisch, Süßigkeiten, Nudelgerichte, ...

Die Stärkung war wohldurchdacht, denn die im Anschluss stattfindende Zeremonie zog sich über einige Stunden hin. Beten und essen gleichzeitig, das geht schließlich nicht, also muss im Vorfeld für ausreichend Energiezufuhr gesorgt werden.

Irgendwann waren dann aber auch die meisten der eingetroffenen Gläubigen ausreichend gestärkt. Ich verschaffte mir einen Überblick darüber, was es auf der Anlage noch zu sehen gab.

Die Anlage hatte einen Verbrennungsofen, der längst noch nicht in jeder kleineren Tempelanlagen zu finden ist. So ein Ofen macht die Einäscherungszeremonie von Verstorbenen doch um einiges einfacher in der Durchführung. Der große ansonsten aufzubauende Holzhaufen, auf dem man die Verstorbenen in den Himmel schickt, muss nicht gebaut werden, und auch das Einsammeln der Asche für eine Urne gestaltet sich doch erheblich präziser und einfacher.

Rund um den Bot gab es an verschiedenen Stellen weitere Möglichkeiten, seinen Glauben zu demonstrieren und zu praktizieren.

Überhaupt war Blattgold an diesem Tag allgegenwärtig. Alles, was im Glauben der Versammelten eine symbolische Rolle zu spielen schien, wurde entweder mit Blattgold verziert oder aber reichlich mit Geld geschmückt.

Zeit einen Blick in den Bot hinein zu werfen:

Riesen Andrang, bei den dort sitzenden Mönchen, um sich einen Segen abzuholen.

Der kleine Bot jedenfalls war sehr schön und feierlich geschmückt worden. Die Wandmalereien beeindruckend, für so einen kleinen Tempel auf dem Land. Aber zurück zu den eigentlichen Hauptprotagonisten der Veranstaltung, den Luk Nimit Steinen: der Hauptstein war wie gesagt im Bot vorbereitet worden, um während der Zeremonie in das unter ihm vorbereitete Loch im Boden gelassen zu werden.

Reichlich Blattgold auch hier im Einsatz: der Andrang, den Stein vor der ewigen Versenkung im Boden noch einmal zu berühren und zu schmücken, war Riesen groß.

Aber auch den 8 Steinen außerhalb des Gebäudes, die jeweils in der Mitte einer Seite und an einer Ecke des Bots über ihren Löchern hingen, wurde nicht weniger Aufmerksamkeit geschenkt.

Es zeichnete sich ab, dass der hohe Mönch nun bald eintreffen würde um die Zeremonie zu starten. An deren Ende würden die Steine von deren Hauptstiftern und deren Angehörigen, mit speziell für diesen Anlass angefertigten, reich verzierten und mit dem Namen des Stifters gravierten Messern von den Halteseilen geschnitten und in das Loch gelassen.

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Was gab es noch zu sehen, vor Beginn der Zeremonie? Hilfreiche Hände, die auch die kleinen Gaben der Menschen sortierten und zählten:

Eine Menge Blattgold, allgegenwertig, nicht nur auf den Steinen und Statuen:

Einen, der für die Ärmsten und deren würdigen Übergang in den Himmel um Spenden bittet:

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Vöglein, die man aus dem kleinen Käfig mittels einer Spende freilassen konnte und mit dieser, den irgendwann anstehenden Übergang des Vogelverkäufers in den Himmel unterstützten würde.

Eine einzigartige Konstruktion, die, nachdem man wiederum eine Spende geleistet hatte, symbolisch einige Dachziegel auf einer Schanze in Richtung Himmel transportierte, jedoch nach 2,5 Metern Halt machte. Die Dachziegel sollen schon einmal den Anfang eines Daches über dem Kopf des Spenders für sein nächstes Leben bilden.

Irgendwann waren so langsam alle Goldplättchen verklebt und Kerzen abgebrannt:

Der Zeremonienmeister traf mit viel Gefolge ein:

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Es wurde ruhig, die Versammelten sammelten sich nun auch innerlich und erwarteten den Beginn der Zeremonie. Der bei buddhistischen Zeremonien immer zu hörende Betgesang begann.

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Die Zeremonie zog sich über einige Stunden hin. Zum Ende gruppierten sich die Spender und Finanziers der Steine um den von ihnen gespendeten Stein und es wurde auf ein Zeichen des Zeremonienmeisters gewartet, was das Durchtrennen der Halteseile der Steine durch die speziellen Messer anzeigen sollte.

 

Es ging los: die nicht ganz einfach zu durchschneidenden Seile wurden gekappt und die Steine in ihre ewige Ruhestätte gelassen.

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Das, was nun anschließend folgte, wurde dem Image der buddhistischen Zurückhaltung der Thailänder nicht ganz gerecht. Die Halteseile der Steine sind ein bei Thais sehr beliebtes Glücksbringersymbol. Die Messerschlacht, die da über dem Loch des eben versenkten heiligen Steins nun in Fahrt kam, hatte nichts heiliges an sich.

Irgendwann waren dann alle Seile gekappt und verteilt gewesen. Kleinere Schnittwunden an Fingern und Händen würden bei dieser Aktion Glück bringen, wurde mir gesagt. Ob unbeabsichtigt abgetrennte Fingerglieder als Glückssymbol auch so begehrt wären wie die Seitlstücke, konnte ich nicht erfahren. Wir bekamen von unseren Freuden ein kleines Stückchen des Halteseils vom Stein aus dem Bot geschenkt. Im Anschluss an die Veranstaltung wurden für wenige Zentimeter lange Stücke dieses Seils 1.000 Baht geboten. Ob so ein gekaufter Talisman tatsächlich zum Glück des Käufers beiträgt, weiß ich nicht. Über das Geschenk haben wir uns jedenfalls sehr gefreut, es wird uns an eine schöne und interessante Zeit an einem kleinen Tempel in Zentralthailand erinnern.

Erstellt am: 11.01.2012 - Zuletzt aktualisiert am: 19.10.2013

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