24 Stunden am BungSamran Fishing Park in Bangkok

Ein wirklich beeindruckender Tag, der bei mir bleibende Erinnerungen hinterlassen wird, veranlasst mich dazu, meine Erlebnisse am Bung Samran Fishing Park hier noch einmal detaillierter zu beschreiben.

Ursprünglich hatte ich geplant, die Nacht am Bung Samran angelnd zu verbringen. Der Tag war mit Anreise und dem Besuch von Freunden in Bangkok verplant gewesen, so dass mir für die geplante Aufenthaltsdauer in Bangkok nur die Nacht geblieben wäre, um meinem Hobby nach zu gehen. Glücklicherweise hat es sich aber dann ergeben, dass meine Frau, Verwandte und ich schon etwas früher in Bangkok ankamen und ich meine Frau mit ihren Verwandten und unseren Freunden aus Bangkok auf Sightseeing schicken konnte und mir somit der komplette Tag zum Angeln zur Verfügung stand.

Ich checkte also gegen 10:30 am Fishing Park ein. Im Gepäck zwei stabile Angelruten, eine mit einer Shimano Cardiff 401 A bestückt, auf der anderen meine alte Stationärrolle, mit der ich schon ganz passable Mekongs im Shadow Lake gefangen hatte. Außerdem noch meine Angelutensilien, mehrere Futterspiralen, stabile vorgebundene Haken, ein Buch und meine Kamera. Nachdem mir an der Rezeption der Schlüssel für meine Hütte und eine Fernbedienung für den Fernseher ausgehändigt worden waren, kaufte ich noch einen Sack Brotschnipsel, einen Sack Lam (das sind die gemahlenen Schalen von Reiskörnern) und ein paar Getränke in dem kleinen Supermarkt in der Anlage. Schwer beladen machte ich mich auf den Weg zu meiner Hütte, die ich dann anschließend für die nächsten 10 Stunden bezog.

Das war schon fein, was ich dort vorfand. Hier war wirklich so ziemlich alles vorhanden, um einen spannenden und schönen Tag zu verbringen. Das Hinweisschild am Kopfende der Hütte offerierte dann auch noch eine Massage, die man sich in der Hütte zukommen lassen konnte. Wer braucht denn so was, dachte ich mir und sollte die Antwort dann später erfahren.

In den Nachbarhütten fischten auf der einen Seite einige Thais und auf der anderen Seite ein Franzose. Ich begrüßte meine Nachbarn freundlich und beobachtete erst einmal, wie hier geangelt wurde.

Nachbarn am Bung Samran

Nachbar am Bung Samran

Die Jungs hatten offensichtlich alle schwer zu tun und zu kämpfen. Die Montagen an den Angeln waren ein schwerer Schwimmer, auf 2 Meter Tiefe eingestellt, eine Futterspirale, eine sehr kurze Hakenschnur und das war`s. Die Futterspirale schien mit der üblichen Teigkugel bestückt zu sein und wurde von den Protagonisten so 30 - 40 Meter weit ins Wasser geschossen. Das sollte ich doch hin bekommen, dachte ich mir und begann meine Teigmischung in einem Eimer zusammen zu mischen. Als zusätzliche Note verpasste ich dem ganzen noch einen Schuss aus einer kleinen mitgebrachten Flasche Kokosextrakt,

und war anschließend der Meinung, jetzt könne es losgehen. Es ging auch los, jedenfalls tat ich mein Bestes, um einen Fisch an den Haken zu bringen, es biss nur absolut nichts an. Während links und rechts von mir Fische aus dem Wasser gezogen wurden, tat sich bei mir nichts!

kapitaler Mekongwels   Keschern eines Mekong Welses

Nach mehr als 2 erfolglos verbrachten Stunden ohne einen einzigen Biss, entschloss ich mich dazu, den Thais etwas auf den Zahn zu fühlen und um Tipps zu fragen. Ich fragte also auf meinem besten Thai, was sie denn für eine Futtermischung benutzten. Freundlich wurde mir mitgeteilt, dass man da ein Fläschchen hätte, was es an der Rezeption zu kaufen gäbe. Ob denn mein Kokosextrakt ein Fehler sei, wollte ich anschließend wissen und bekam die Information, dass die Fische im See darauf nicht stünden. Also ich noch einmal nachgefragt, was die am erfolgversprechendste Futtermischung so alles beinhalten müsse: Lam (das schon erwähnte Reisschalenpulver) und eben den Inhalt des ominösen Fläschchens. Also ich ab zur Rezeption, einen neuen Sack Lam gekauft und eben eines der Fläschchen.

Wunderlockstoff vom Bung Samran

Wieder zurückgekehrt in meine Hütte, kam einer der Thais zu mir in die Hütte und zeigte mir, wie das Mischungsverhältnis von Wundermittel, Wasser und Lam zu sein hatte. Da entstand eine komplett andere Konsistenz, als die von mir hergestellte Mischung. Wesentlich trockener, gerade feucht genug, um aus dem Futter eine Kugel um die Futterspirale formen zu können.

Ich war super angenehm angetan von der Freundlichkeit, mit der mir aus der thailändischen Nachbarhütte auf die Sprünge geholfen wurde.

Meine Futterspirale sei zu klein, kam als nächste Information auf mich zu. Ehe ich mich versah, wurde eine neue Futterspirale von Nachbarseite herüber gereicht und an meiner Schnur montiert. Jetzt formte der freundliche Thai mir auch noch die erste Futterkugel und meinte anschließend, ich könne nun Fische fangen. Ich feuerte das Geschoss also ins Wasser und war guter Hoffnung, dass ich nun auch bald gefordert werden würde.

Zwischenzeitlich war beim Franzosen einiges los: er hatte schon eine geraume Zeit mit einem Fisch gekämpft, der war ihm zwischendurch auch noch unter die Hütte, zwischen die Holzpöller geschwommen, aber nun hatte er ihn soweit und wollte ihn käschern. Das kann kaum funktionieren. Zu stark und schwer war der Fisch, und der Abstand zum Wasser von der Plattform der Hütte aus war auch zu groß, als dass er da irgendwelche Chancen gehabt hätte, den Fisch alleine zu käschern. Ehe ich eingreifen konnte, um dem französischen Nachbarn zu unterstützen, war auch schon einer der Thais aus der Nachbarhütte bei ihm und fing mit ihm zusammen den Fisch ein.

Was für ein Brocken! Ich freute mich ehrlich für den Franzosen! Gerade hatte ich meine Kamera aus den Händen gelegt, da fiel plötzlich meine als Bissanzeiger von mir eingesetzte kleine Glasflasche um.

Die Rute gepackt, den Bügel umgelegt und heftig angeschlagen - plötzlich schien am Ende meiner Leine der Teufel los zu sein. Der Fisch zog ab wie ein Moped! Meine kurz vor maximal eingestellte Bremse knatterte wie wild, der Fisch nahm Leine und Leine. Meine recht steife Angel bog sich, wie ich es nie erwartet hätte, dass sie eine derartige Flexibilität überhaupt haben könne. Nach 40 - 50 Metern hatte der Fisch seinen ersten Fluchtversuch beendet und ich konnte anfangen, ihn in Richtung Ufer zu pumpen. Das geht ins Kreuz, war jedoch erst der Anfang, wie ich wenig später erfahren durfte. Als ich den Kameraden nach weiteren Fluchtversuchen endlich in Ufernähe hatte, trat das ein, was ich als das Worst Case-Szenario mir vorstellte. Der Fisch wollte unter die Plattform der Hütte flüchten, wo er dann nur mit viel Glück wieder herauszubekommen wäre. Einmal die Leine um die Pöller der Hüttenplattform gewickelt, und das wäre es gewesen. Mit brachialer Gewalt gelang es mir, den Fisch unter Kontrolle zu behalten und ihn letztendlich zum Aufgeben zu zwingen. Schnell war ein Thai aus der Nachbarhütte neben mir, der mir dabei half, den Fisch zu käschern.

Keiner von den ganz großen, aber mit 23 Kilogramm ein persönlicher Rekord von mir. Den Fisch wieder in die Freiheit entlassen, ging es anschließend weiter.

Der französische Nachbar hatte inzwischen entkräftet aufgegeben und mir zum Abschied noch seine Futterspirale geschenkt. Der Angelshop würde bald schließen und ich tue gut daran, besser noch eine Ersatzfutterspirale zu haben. Super nett!

Ich fing anschließend noch 2 weitere Mekongs, alle in der selben Gewichtsklasse wie der erste und war nach dem vorerst letzten Drill eigentlich schon körperlich ziemlich am Ende. Ich spürte meine Muskeln in Bereichen von meinem Körper, wo ich nicht einmal ahnte, dass dort Muskulatur existierte. Nach einer 20 minütigen Verschnaufpause entschloss ich dann, es noch einmal zu versuchen. Es war auch noch über eine Stunde Zeit, bis zum verabredeten Treffen mit meiner Frau und unseren Freunden, die mich in der Hütte besuchen wollten. Ich warf also noch einmal die Kugel ins Wasser und kam gar nicht dazu, die Rute hin zulegen und mit der Flasche als Bissanzeiger zu versehen.

Der Biss kam, kaum war die Futterkugel auf 2 Meter abgesunken. Ich hieb an und konnte danach erst einmal nichts weiter machen, als zu beobachten, wie sich die Schnur von meiner Rolle dezimierte. Ich hatte da gut und gerne 150 Meter Schnur aufgespult, 35 Meter waren durch das Auswerfen schon weg, und der Fisch war drauf und dran sich den Rest zu nehmen. Als es mir zu mulmig wurde, begann ich die Bremse meiner Rolle mit meinen Fingern zu unterstützen. Welch ein sinnloses Unterfangen - die Rute bog sich aufs extremste: kommt der denn gar nicht außer Atem, dachte ich mir. Weit weg, ziemlich nach Links gesteuert, kam der Fisch dann irgendwann zum Halten und ich fing an, ihn zur Rückkehr zu zwingen. Ich war komplett nass geschwitzt! Mein Herz hämmerte wie wild, ich rang nach Luft und plötzlich, mitten in der Pumpbewegung, zog es mir fast Die Angel aus der Hand. Wieder ging der Fisch los - die mühsam erkämpften Meter Schnur spulten sich wieder von neuem ab.

Wahnsinn, der schafft mich - ging es mir durch den Kopf. Nach vielen Qualen und Anstrengungen hatte ich ihn dann doch am Rand der Plattform - jetzt nur nicht nachgeben und ihn unter die Plattform lassen. Der Fisch gab Vollgas: mit aller Gewalt zog er unter die Plattform und meine Angel tauchte bis zum Ende des ersten Drittels ins Wasser ein, bog sich bis an die Bruchgrenze und ich konnte ihn nicht stoppen.

Jetzt hing ich da, mein Rücken verdammt ungesund verdreht, in einer Haltung, die jeden Orthopäden in Verzweiflung geraten ließe. Mittlerweile hatte sich wieder einer der freundlichen Thais neben mir eingefunden und fing an, auf der Plattform meiner Hütte rumzutrampeln. Der Lärm sollte den Fisch unter der Hütte heraus treiben, der dachte jedoch nicht daran sich zu bewegen und ich konnte es nicht fassen, dass er sich nicht einen Zentimeter bewegte. Nicht nachlassen, kam es als Ratschlag neben mir. Und tatsächlich: nach qualvollen Minuten, in denen ich mich innerlich von 4 - 5 meiner Bandscheiben schon einmal verabschiedete, bewegte er sich doch.

Er gab auf! Ich hatte gesiegt, war aber gleichzeitig auch besiegt worden. Nachdem wir den Mekong zu zweit auf die Plattform gewuchtet hatten und ich mich für ein Foto mit dem Fisch in Pose begab, merkte ich erst, wie sehr ich am Ende war. Ich schaffte es nicht, den Kopf und Mittelteil des Fisches mit meinem rechten Arm zu heben, um den Fisch dann in der typischen Haltung für die Kamera zu präsentieren. Der Fisch war komplett mit Modder vom Grund bedeckt, wo er sich unter der Hütte wohl versucht hatte zu halten. Nun gut, dann muss es eben ohne Pose gehen. Ich hob also den Kopf an, versuchte mir meine körperliche Erschöpfung nicht anmerken zu lassen und bekam mein Foto.

Anschließend haben wir den Mekong dann noch gewogen und ich war überrascht, dass er "nur" 31 kg auf die Wage brachte. Wie sollten sich erst die Mekongs verhalten, die um die 60 oder mehr Kilos wiegen?

Völlig entkräftet machte ich es mir in der Hütte so bequem, wie es mir mein geschundener und schmerzender Körper ermöglichte. Nun war mir auch klar, was die beworbene Massage auf der Tafel an der Kopfseite der Hütte zu bedeuten hatte. Ein Chiropraktiker wäre in meinem Fall wohl angebrachter gewesen, als eine Massage.

Wenig später bekam ich dann Besuch: meine Frau, Freunde und Verwandte bemerkten sofort, dass mit mir nicht mehr viel los war. Ich hatte den ganzen Tag noch nichts gegessen, war von 4 Mekongs durch die Mangel gedreht worden und ganz offensichtlich sah man mir meinen Zustand an.

Ein Besuch im Restaurant am Bung Samran würde mich wieder beleben, wurde entschieden und wenig später schon saßen wir an einem großen Tisch im Restaurant. Die Speisekarte gab alles her, was man so aus der thailändischen Küche kennt. Verschiedene Gerichte wurden geordert: Fisch, Suppen, Curry, Laab (gehacktes Fleisch oder Fisch, pikant gewürzt), gebratener Reis, gebackene Garnelen und einige Flaschen Bier später, ging es mir wieder etwas besser.

Es war inzwischen 21:00 Uhr und an der Zeit, die reservierte Hütte für die Nacht zu beziehen. Unsere Freunde verabschiedeten sich und wir trugen meine Utensilien und etwas Gepäck in unsere Bleibe für die Nacht.

Die Hütte war klasse: der untere Bereich war offen, wie auch meine Tageshütte es gewesen war, nur gab es hier noch zusätzlich ein großes Sofa, Kühlschrank, mehrere Sitzgelegenheiten, eine Pritsche und - eine Etage höher - ein klimatisiertes Zimmer mit Dusche.

Nachdem wir alles inspiziert hatten und ich den Kühlschrank mit ein paar Fläschchen Bier bestückt hatte, machte ich mit wenig Motivation die Angel wieder klar. Ich war wirklich ausgefischt. Wenn da wirklich noch ein großer anbeißen sollte, ich wusste wirklich nicht, wie ich den hätte bewältigen können.

Es vergingen 2 Stunden, in denen meine Bissanzeigerflasche zweimal um fiel, jedoch ich den Anhieb versaute. Nach 2 Stunden beschloss ich dann, es gut sein zu lassen. Ich beschränkte mich nun darauf, noch einige Nachtaufnahmen zu versuchen - ohne Stativ war jedoch mit keinen herausragenden Ergebnissen zu rechnen. Die Leuchtspuren der Leuchtposen der Angler neben mir gaben dann doch noch ein paar schöne Bilder ab.

Es war nun wirklich Zeit für mich ins Bett zu gehen. Ich beschloss, mich auf der Pritsche auszustrecken, die mir meine Frau vorausahnend, dass ich da mich hinlegen würde, gemütlich hergerichtet hatte. Vor meinen Augen Bung Samran, die Eindrücke und Gefühle eines einzigartigen Tages im Kopf, genoss ich die letzten wachen Momente dieser Nacht sehr intensiv.

Erstellt am: 07.01.2012 - Zuletzt aktualisiert am: 15.09.2014

Diesen Artikel ...



Leserkommentare zu diesem Artikel

Am 10.01.2014 - 08:02 schrieb das Udon-News-Team

Am Bungsamran Fishing Park in Bangkok. Man kann aber auch Lockstoffmittel aus Deutschland verwenden, muss nur ganz intensiv an dessen Wirkung glauben. Es kam bei der Herstellung meiner Teigmischung nicht auf das verwendete Lockstoffmittel an, das ist sicher! Die Konsistenz der Mischung war entscheidend!

Am 10.01.2014 - 02:42 schrieb Gast
Hallo wo kann man dieses Fläschchen bekommen um es mal in deutschland auszuprobieren!!

Kommentar eingeben

Hast Du eigene Erfahrungen gemacht? Hast Du weitere Fragen? Nutze einfach unsere Kommentarfunktion.

Bitte lies vor dem Verfassen und Speichern Deines Kommentars unsere Hinweise und Nutzungsbedingungen zur Kommentarfunktion. Mit dem Speichern Deines Kommentars akzeptierst Du die Nutzungsbedingungen.

To prevent automated spam submissions leave this field empty.

Fragen, Korrekturen, weitere Hinweise? Kontaktformular

Trotz sorgfältiger Recherche können wir nicht für die Richtigkeit und Gültigkeit der Informationen auf Udon-News.com garantieren. Unsere Informationen können fehlerhaft, unrichtig oder lückenhaft sein.

Suche

Aktuell im Forum